Leitthema 1: Cloud-Computing für Netzwerkkoordinatoren im kettenorientierten Qualitäts- und Krisenmanagement

Besonders kleine und mittlere Unternehmen der Agrar- und Ernährungswirtschaft aber auch kommunale Behörden haben heute einen enormen Aufholbedarf, ihre Prozesse im Qualitäts- und Krisenmanagement mit Hilfe intelligenter Software zu unterstützen. Entsprechende Lösungen sind heute in der Regel sehr kostenintensiv und ziehen lange Zeiträume zur Implementierung sowie zahlreiche Schnittstellenprobleme nach sich. Hybride Cloud-Architekturen sind ein Lösungsansatz, wie Unternehmen und öffentliche Einrichtungen auf diese Situation zukünftig flexibel und kostengünstig reagieren können. 

Leitthema 2: Embedded Sensor-Systems – Innovative Prüftools im mobilen Task-Force Einsatz

In Krisensituationen ausgelöst durch Tierseuchen, durch Managementfehler oder kriminelle Handlungen vergehen häufig viele Tage, bis Analysenergebnisse Lieferanten von Futtermitteln, lebenden oder geschlachteten Tieren aus Verdachtsregionen eine Freigabe des Handels wieder erlauben. Grund hierfür ist, dass es sich in der Regel um aufwendige Laboruntersuchungen zum Erregernachweis oder zum Nachweis von Kontaminationen und Rückständen handelt. Mit Hilfe von Biosensoren sollen neue Anwendungsfelder im Krisenmanagement beleuchtet werden. Dabei werden disruptive und Sprunginnovationen für dieses Zukunftsfeld erwartet.

Leitthema 3: Innovative Aufschaltungs-Austausch-Systeme im Krisen- und Katastrophenmanagement

Aus den Erfahrungen in der Entwicklung netzbasierter militärischer Führungsinformationssysteme versprechen sich die Clusterpartner einen Innovationsschub und ein breites Dual-Use-Potential des methodischen Ansatzes der Informationsfusion im Kontext der „Vernetzten Operationsführung“. Im Krisenmanagement ließen sich zur schnellen Einschätzung von Bedrohungssituationen beispielsweise durch die Ausbreitung von Seuchen in Handelsnetzen durch Aufschalten eines netzbasierten Wissens- und Workflowmanagement-Tools, entscheidungsrelevante Informationen zwischen Verantwortlichen aus der Wirtschaft und behördlichen Einrichtungen oder zwischen Behörden unterschiedlicher Bundesländer austauschen. Nach dem Vorbild der länderübergreifenden Krisenmanagementübung/Exercise (LÜKEX) werden PPP-Übungen für das Krisenmanagement in der Agrar- und Ernährungswirtschaft über eine bundesweite Plattform für von Bonn.realis Partnern konzipiert und erprobt.

Leitthema 4: Simulationsgestütztes überbetriebliches Kühlkettenmanagement

Die Gewährleistung hoher Standards im Hinblick auf die Qualität und die Sicherheit von kühlpflichtigen Lebensmitteln sind primäre Ziele des Kühlkettenmanagements. Um diese Ziele zu erreichen, werden auf der einen Seite innovative Technologien für ein kettenübergreifendes Temperatur-Monitoring und für eine permanente und produktbezogene Kontrolle benötigt. Auf der anderen Seite bedarf es effektiver Informationsmanagementsysteme auf innerbetrieblicher und überbetriebliche Ebene sowie das notwendige Wissen bei dem Umgang mit den neuen Technologien und Systemen. Neue Sensortechnologien wie Smart-Active-Label oder Frischeindikatoren können hier einen wichtigen Beitrag leisten, um Kühlkettenmanagementsysteme zukünftig weltweit zu optimieren. Aber auch die Entwicklung und Implementierung von Simulationsmodellen zur Prognose der Lebensmittelqualität und des Verzehrrisikos von kühlpflichtigen Lebensmitteln sind vielversprechende Lösungsansätze. Ein weltweites Cold Chain Management Netzwerk wird seit 2003 aus dem International FoodNetCenter der Universität Bonn heraus koordiniert.

Leitthema 5: Machine-to-Machine (M2M) im Krisenmanagement

Machine-to-Machine Kommunikation hat bereits Eingang in unterschiedliche Bereiche der Wirtschaft gefunden, M2M-Kommunikation ermöglicht eine schnelle und intelligente Datenübertragung über Mobilfunk und zwischen technischen Anlagen und Systemen etwa zur Automation, Alarmierung, Überwachung und im Transportwesen. Dies ist insbesondere dann von großer Bedeutung, wenn in einer Krise sehr kurze Reaktionszeiten gefordert sind. Welche neuen Anwendungsfelder sich im Katastrophenschutz gestalten lassen, soll hier pilotmäßig erprobt werden. In diesem Zusammenhang hat die Bonner Berufsfeuerwehr bereits eine Testumgebung geschaffen. Clusterpartner aus der IKT- sowie der Alarm- und Sicherheitsbranche entwickeln hier nach DIN EN 50136 zertifizierbare Anbindungen von Alarmsystemen sowie kompatible Netzlösungen aller Netzwerkkomponenten (DSL, Leitstellenanbindung, Mobilfunkkarten, Router, Managementleistungen) modular gestaffelt.

Leitthema 6: Internationale Standardisierung und Normierung der Qualitätskommunikation in Lebensmittelketten

Ohne Standards und Normen können in den Wertschöpfungsketten der Agrar- und Ernährungswirtschaft nur schwer internationale Handelsbeziehungen gestaltet werden. Die KMU in der Agar- und Ernährungswirtschaft haben nur dann gleichberechtigte Chancen, sich am Weltmarkt zu behaupten, wenn sie Einfluss auf Standardisierungs- und Normierungsgremien nehmen können.

Dies trifft nicht nur auf technische Normen zu, sondern auch auf Vereinbarung im Hinblick auf Anforderungen an Prozesse und Produkte der Lebensmittelsicherheit, die Konformität mit Qualitäts-, Risiko- und Krisenmanagementnormen sowie Standards bei der Aus- und Weiterbildung. Zu diesem Leitthema gehört auch die wissenschaftliche Begleitung von Interessengruppen, die an einem allgemein akzeptierten Nachhaltigkeitskodex der europäischen Agrarwirtschaft arbeiten. Dabei sollen Umwelt-, Tierschutz-, Wirtschaft- und Sozialstandards gleichermaßen berücksichtigt werden.